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Evaluation der zweiten Phase des EU Emissionshandelssystems 2008 bis 2011

Evaluation der zweiten Phase des EU Emissionshandelssystems 2008 bis 2011. Siehe auch den entsprechenden Bericht der Europäischen Kommission.

  • Das Handelsvolumen im EU ETS wuchs an auf einen Durchschnittswert von 23 Millionen Emissionszertifikaten (EUA) täglich im Jahr 2011.
  • Der außerbörsliche Handel von EUA hat stark abgenommen.
  • Zwischen 2008 und 2001 wurden fast 8.200 Millionen EUAs ausgestellt – fast 97 Prozent davon kostenlos und der Rest (283 Millionen) über Versteigerungen.
  • Erhebliche Mengen an internationalen Emissionsgutschriften (CERs aus CDM Projekten und ERUs aus JI Projekten) erhöhen das Handelsvolumen im EU ETS. Mit CDM Projekten reduzieren Akteure aus Industrieländern (Annex-B Länder) den CO2-Ausstoß in nichtindustrialisierten Ländern. Sie profitieren von den so erzielten Emissionseinsparungen, weil diese in Emissionsgutschriften umgewandelt werden. Dasselbe Prinzip gilt für JI Projekte (Joint Implementation), in deren Rahmen Partner aus Industrieländern gemeinsam Treibhausgasemissionen reduzieren. Durch diese Übertragungsmöglichkeit wurden zusätzliche Emissionsrechte für fast 550 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß in den europäischen Zertifikatemarkt eingespeist (450 CERs und 98 Millionen ERUs).
  • Mit 1.886 Millionen Tonnen an geprüften Treibhausgasemissionen lag der Wert 2011 etwa zehn Prozent unter den 2008 registrierten 2100 Millionen emittierten Tonnen. Der Rückgang ist allerdings ein Effekt des Wirtschaftsabschwungs. 2009 lag die Gesamtmenge noch niedriger, nämlich bei 1.860 emittierten Tonnen an CO2-Äquivalenten.
  • In der Bilanz wurden zwischen 2008 und 2011 insgesamt Zertifikate für 8720 Millionen Tonnen an Emissionen ausgestellt. Der Anteil der Emissionsgutschriften aus CDM- und JI Projekten beträgt dabei 550 Millionen Tonnen. Im gleichen Zeitraum wurden aber nur für 7765 Millionen Tonnen geprüfte Emissionen Zertifikate eingesetzt und verbraucht.
  • Daraus ergibt sich ein Überschuss an Emissionsrechten von fast 1000 Millionen Tonnen, der insbesondere auf Gutschriften aus internationalen Klimaschutzprojekten zurückzuführen ist.
  • Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Preise für Zertifikate aktuell ihren Tiefstand in der zweiten Handelsphase erreicht haben.
  • Es wird erwartet, dass das Überangebot an Zertifikaten bis 2013 noch über 2000 Millionen Tonnen wächst und die Preise folglich weiter fallen. Grund dafür sind weitere, zu erwartende großen Mengen an Emissionsgutschriften aus internationalen Projekten bis April 2013 und die Versteigerung von zusätzlichen 300 Millionen Zertifikaten, aus deren Erlös CO2-Speichertechnologien gefördert werden sollen.
  • Laut der Europäischen Kommission wird der Überschuss bis weit nach 2020 fortbestehen.

TheCompensators* kritisieren:

  • Die exzessive Einspeisung von Emissionsgutschriften aus internationalen Klimaschutzprojekten führt zu einem solchen Überangebot an EUAs, dass dadurch der Sinn und Zweck des EU ETS unterminiert wird. Die Compensators steuern gegen, indem sie ETS Emissionsrechte erwerben und gezielt vernichten. Für den Klimaschutz ist der Effekt damit größer, als wenn eine vergleichbare Summe in ein CDM Projekt investiert würde. Falls auch Sie direkt auf den europäischen Emissionshandel Einfluss nehmen wollen, können Sie das mit Ihrer Spende an TheCompensators*.
  • Der Wirtschaftsabschwung in 2009 und der Erfolg regenerativer Energien senken das Emissionsniveau im Vergleich zu 2008. Die im ETS angelegte Decklung durch die Vergabe von Emissionsrechten wurde aber nicht angepasst. Die Politik ist gefragt, dem Überangebot an Zertifikaten und ihrem Preisverfall mit präventiven Maßnahmen entgegenzuwirken.
  • Freigesetzte Treibhausgase bleiben etwa 1000 Jahre in der Atmosphäre, eine Unendlichkeit gemessen an einem Menschenleben. Es ist daher umso wichtiger, Emissionen und ihre kumulierte Auswirkung auf das Klima zu reduzieren, wo es nur geht. Aus klimapolitischer Sicht ist es daher fahrlässig, den Bestand an Emissionsrechten bis 2020 zu halten und damit den Übergang zu einer kohlestoffarmen Wirtschaft in dem Jahrzehnt von 2020 bis 2030 zu verzögern.

 

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