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10 Jahre EU ETS – Das geht besser!

Die Idee, den Nachfrage- und Angebotsmechanismus eines Marktes auch für Emissionen zu nutzen, bleibt genial. Die Umsetzung des Emissionshandelssystems, die Vergünstigungen und Ausflüchte für beteiligte Branchen ermöglicht, muss aber aufs Schärfste kritisiert und unbedingt reformiert werden. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des EU ETS schauen wir zurück auf die verschiedenen Handelsperioden und beleuchten Lösungsansätze und neue Ideen des International Center of Climate Governance (ICCG).

 

Rückblick – Fehl- und Überallokation der Emissionsrechte

1. Handelsperiode (2005-2007):

Durch die Herausgabe zu vieler Emissionsrechte entsteht schon früh ein Überangebot. Die überschüssigen Zertifikate können nocht nicht zurückgestellt werden und in die 2. Periode übergehen, sie sind also nicht ertragsfähig. Der Markt wird vom Misstrauen potentieller Investoren getroffen.

2. Handelsperiode (2008-2012)

Die Wirtschaftskrise löst weltweit Produktionsrückgänge aus, so dass die gesetzte Emissionsgrenze (Cap) nicht überschritten wird; es bliebt beim Überangebot an Emissionsrechten. Und was passiert mit dem Preis, wenn Überangebot herrscht? Er fällt. Während dieser Handelsperiode fällt er auf ein solches Niveau, dass es sich nicht lohnt, in Alternativen zu investieren. Mit anderen Worten: Es ist für Unternehmen billiger, für überschüssige Emissionen zu bezahlen, als sich um saubere Technologien zu kümmern. An der Krise und Rezession zeigt sich also auch ein weiteres Problem: Die Emissionen in absoluten Zahlen zu messen, hilft nicht unbedingt beim Messen der Effektivität des EU ETS, schließlich kann der Ausstoß klimaschädlicher Gase auch zurückgehen, weil Unternehmen von der Wirtschaftkrise betroffen sind und weniger produzieren.

3. Handelsperiode (2013-2020)

Im Gegensatz zu den ersten beiden Perioden werden Emissionsrechte nun nicht mehr verteilt, sondern hauptsächlich versteigert. Zum Überangebot an Zertifikaten gesellen sich zudem andere Möglichkeiten, Emissionen zu kompensieren (Joint Implementation und Clean Development Mechanism), was den Emissionsrechte-Überschuss ebenfalls verschärft. Der aktuelle Preis pro Tonne CO2 hat sich zwischen 6 und 8 € eingependelt.

 

Lösungen

Die Lösungsfindung gestaltet sich in einem so komplexen System mit so vielen verschiedenen Ländern und Interessen als ausgesprochen schwierig. Zwei Lösungsansätze sind bereits auf den Weg gebracht worden. Wie effizient sie sind, bleibt abzuwarten.

Backloading

Im Jahr 2014 wurden im Rahmen des sogenannten Backloading 900 Millionen Emissionsrechte vom Markt genommen, um den Überschuss zu kompensieren. Allerdings: Der CO2-Preis zeigt sich von der Maßnahme unbeeindruckt.

Marktstabilitätsreserve

Die MSR bietet eine Ober- und Untergrenze für Emissionszertifikate auf dem Markt. Ab 2019 soll es sich so verhalten: Befinden sich mehr als 833 Millionen Emissionszertifikate auf dem Markt, werden 12 Prozent davon weggenommen und in der Reserve “gelagert”. Befinden sich weniger als 400 Millionen Zertifikate im System, werden diese etwa 100 Millionen Zertifikate wieder auf den Markt entlassen. Wie es Carlo Carraro, Direktor der Abteilung für Klimaeinflüsse und -politik am ICCG ausdrückt: „Sie [die MSR] wird dabei helfen, die Zertifikateschwemme zu reduzieren, den CO2-Preis zu steigern und das in einer angemessenen Zeitspanne.” Leider prognostiziert Carraro auch, dass es bei dem antizipierten Überschuss an Zertifikaten 10 bis 15 Jahre ab Einführung der MSR dauern dürfte, bis das EU ETS wieder zu einem effizienten Markt wird. Und: Die MSR wird die faktische Menge an emittiertem CO2 nicht senken, denn die Höhe des Cap ändert sich ja nicht. Entsprechend sollte man also die Rate, zu der jede Periode weniger Rechte ausgeschüttet werden, erhöhen (momentan sind es 1,74 Prozent, nächste Periode 2,2 Prozent).

Ob die MSR einen willkommenen Effekt auf die Preisentwicklung haben wird (die Ankündigung ihrer Einführung hatte jedenfalls keinen nennenswerten) bleibe abzuwarten, so das ICCG in einem kurzen Report zur MSR. So wie TheCompensators* sagt auch das Center: „Wenn man nichts tut, um den Überschuss “körperlich” zu verkleinern [also: Zertifikate absolut vom Markt zu nehmen], wird das ETS weiterhin kaum Einfluss auf die CO2-Emissionen in der EU ausüben, und zwar für die meiste oder gar die ganze Zeit der Handelsperiode bis 2030.”

 

Neue Denkanstöße

Bei der Marktstabilitätsreserve und dem Backloading kann es also nicht bleiben. Es ist schon einmal eine gute Nachricht, dass die 900 Millionen zurückgestellten Zertifikate in die MSR übergehen sollen. Lösungen, die das System schneller reparieren, müssen aber trotzdem her.

Sektorspezifische Preise und leistungsabhängige Zertifikate

Für einen Lösungsansatz muss man sich laut ICCG Folgendes vor Augen halten: Die beiden dominierenden Branchen im europäischen Emissionshandel – Kraftwerke sowie die energieintensive Industrie – haben unterschiedliche Interessen: Während Kraftwerke von hohen CO2-Preisen profitieren, weil sie mehr für ihre Leistung verlangen können und nicht in einem globalen Strompreis-Wettbewerb stehen, bedeuten hohe CO2-Preise für energieintensive Unternehmen höhere Kosten und weniger Profit, denn diese befinden sich sehr wohl in einem internationalen Wettbewerb. Deshalb könnte es sinnvoll sein, an die Stelle des aktuell homogenisierten Marktpreises einen variablen Preis zu setzen, der von der jeweiligen Kohleintensität und Produktionszielen abhängt. Die energieintensive Industrie habe also wenig Anreiz, sich auf etwas anderes als „unsauberen Strom“ zu konzentrieren, schließlich sei der billig. Der Thinktank schlägt daher vor, an diese Industrien kostenlose Emissionsrechte zu vergeben, um von ihnen den Wettbewerbsdruck zu nehmen und das Phänomen des „Carbon Leakage“ (Unternehmen verlegen ihre Produktion in ein Land, in dem weniger strengere Energie-Standards herrschen) zu vermeiden.

Carraro bezieht sich zudem auf eine Studie des Beratungsunternehmens Ecofys, derzufolge es effizienter ist, Emissionsrechte nicht aufgrund von historischen Zahlen zu verteilen, sondern anhand aktueller Produktionsniveaus, sodass u.a. mehr „Anreize für kohlenstoffarmes Wachstum“ geboten werden. Der Ansatz, genannt “dynamische Allokation”, wäre also leistungsbasiert. Freilich darf die Emissionsgrenze nicht zu niedrig angesetzt sein – das würde „Carbon Leakage“ unterstützen.

Das System ausweiten – branchenbezogen und geographisch

Von der Idee, den Emissionshandel um die Sektoren Flug- und Straßenverkehr auszuweiten, ist das ICCG weniger begeistert: Flugverkehr gehört praktisch ohnehin schon dazu (man denke allein an Organisationen wie atmosfair, die dem Clean Development Mechanism zu einer gewissen Berühmtheit verholfen hat), der Transportsektor unterliege bereits so vielen anderen Regelungen und Bedingungen, das System sei schon komplex genug. Noch eine Größe mit anderen Ansprüchen an das System zu inkludieren könne alles noch komplizierter machen. Der Punkt ist nachvollziehbar, nichtsdestotrotz möchten wir an dieser Stelle an das Kalifornien-Québec-System erinnern, wo die Hinzunahme des Transportsektors wunderbar geklappt hat.

Auch ein Vorschlag, aber ebenfalls kaum durchsetzbar, wäre ein globaler Emissionshandel. Doch auch hier sieht das ICCG das Problem der Unvereinbarkeit zahlreicher unterschiedlicher Ansprüche an ein System – manche Länder müssten sich zum Beispiel bereit erklären, weniger zu emittieren als andere.

 

Nicht warten, handeln!

Was auch immer in Zukunft mit dem ETS geschehen wird – eine absolute Vernichtung von Emissionszertifikaten bieten TheCompensators* schon jetzt an. Bei uns kannst du ganz einfach jetzt schon CO2 kompensieren und zu einem besseren Emissionshandel beitragen. Compensate!

 

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