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Löschen von Emissionszertifikaten zeitweise gestoppt

Die EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament verhandeln derzeit über eine Reform des Europäischen Emissionshandels. Es gibt zwar noch keinen endgültigen Beschluss, allerdings bedeuten einige der vorgeschlagenen Änderungen, dass das Löschen von Verschmutzungsrechten künftig nicht mehr die Obergrenze für den Ausstoß des Klimagases CO2 senken wird.

Deswegen stoppen wir zeitweise das Löschen von Emissionszertifikaten im Emissionshandel und bitten unsere Unterstützer auf weitere Spenden zu verzichten, bis Klarheit über die Zukunft des ETS herrscht.

 

19 Kommentare

  1. Gerhard Heinl sagt:

    Unfassbar, was steckt dahinter? Somit wird unser Klimaziel aus “legale” Weise ausgehebelt!!

  2. Enrico Ahlendorf sagt:

    Das ist tatsächlich eine Riesen-Schweinerei!!! Vor allem, dass es immer noch Kontingente an Emissionspapieren für die betroffenen Unternehmen gibt, die kostenfrei ausgegeben (sofern ich das dem Informationspapier der EU-Parlamentsseite richtig entnahm) werden. Als ersten Schritt könnten die EU-Staatschefs vielleicht diesen unfassbar unsinnigen Parlaments-Wanderzirkus, welcher monatlich zwischen Brüssel und Strasbourg stattfindet, abschaffen. Der verursacht jährlich knapp 20000t CO2-Ausstoß!!! Da fragt man sich…

  3. Gibt es eine Einschätzung, wann “Klarheit über die Zukunft des ETS herrscht”? Also ab wann das Löschen von Emissionszertifikaten vorrausscihtlich wieder möglich sein wird. Wann ist mit einer Entscheidung in der EU zu rechnen?

  4. Hendrik Schuldt sagt:

    Lieber Benjamin,

    leider können wir Deine Frage nicht ohne Spekulationen beantworten. Vorerst waren sich die Europäische Kommission, der Europäische Rat und das Europäische Parlament uneinig was die Reform des Emissionshandelssystems angeht. In diesen Fällen bestimmen alle drei Organe Vertreter und senden diese in sogenannte Trilog-Verhandlungen um einen Kompromiss herbeizuführen. Wie mühsam und zeitaufwendig dies sein kann ist hier unter Punkt 1 wunderbar beschrieben. Bisher habe 6 Triloge stattgefunden, Rat und Parlament haben sich auf einen Kompromiss geeinigt. Der Rat hat den Kompromiss bereits gebilligt, die Billigung durch das Parlament steht noch aus. Wir halten Euch auf dem Laufenden!

    Grüße von TheCompensators*

  5. Alfred Schaller sagt:

    Ich verstehe Eure Entscheidung nicht. Es gilt doch immer noch der Beschluss (EU) 2015/1814 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6.10.15:
    http://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=uriserv:OJ.L_.2015.264.01.0001.01.ENG
    Danach sollen ab 2019 jedes Jahr 8% bzw. 12% einer zu berechnenden Überschussmenge in die sog Markt-Stabilitäts-Reserve eingestellt. Wenn die Überschussmenge < 400 Mio. ist, sollen 100 Mio. Zertifikate wieder freigegeben werden, sofern so viele in der MSR vorhanden sind.
    Wenn Ihr Zertifikate aufkauft und löscht, verringert sich die Überschussmenge entsprechend. Damit verpuffen zwar 12% der Löschung, da entsprechend weniger Zertifikate in die MSR eingestellt werden, 88% sind aber weiter direkt wirksam. Die 12% nicht in die MSR eingestellten Zertifikate können in zukünftigen Jahren aber auch nicht freigegeben werden. Damit bewirken sie Emissionsminderungen in der Zukunft.
    Das Löschen von Zertifikaten hat also weiterhin einen Effekt auf die Obergrenze der Emissionen, wenn auch z.T. verzögert!

  6. Hendrik Schuldt sagt:

    Lieber Alfred,

    die von Dir angeführte Entscheidung des EU Rates und Parlaments ist veraltet. Im Rahmen der Trilogverhandlungen (siehe Post weiter oben) wird auch über eine Verschärfung der Marktstabilitätsreserve (MSR) debattiert. Wahrscheinlich scheint, dass ab 2023 Überschüsse direkt aus der MSR gelöscht werden können. Siehe hierzu die im Blogpost verlinkte Pressemitteilung des BMUB:

    “Ab dem Jahr 2023 dürfen nur mehr so viele Zertifikate in der Reserve verbleiben, wie im Vorjahr versteigert wurden, der Rest – voraussichtlich mehr als 1,5 Milliarden Zertifikate – wird gelöscht.”

    Dies würde bedeuten, dass jedes von TheCompensators* gelöschte Zertifikat möglicherweise als Überschuss in der MSR geparkt werden würde, und ab 2023 vielleicht gelöscht worden wäre (auf Rechnung der Mitgliedsstaaten der EU). Damit wäre der Kauf und die Löschung des Zertifikats Verschwendung von Spendenmitteln was unseren Grundsätzen widersprechen würde. So reicht im Moment diese regulatorische Eventualität aus, um einen Spendenstopp unsererseits zu begründen.

    Wir setzen die Spenden unserer Unterstützer_Innen sinnvoll und zielgerichtet ein, und werden dies auch in Zukunft so handhaben. Deshalb erarbeiten wir gerade ein Konzept, wie wir auch weiterhin Kompensationsleistungen über das EU ETS anbieten können. Daher bitte ich Dich und alle weiteren Unterstützer_Innen und Interessent_Innen noch etwas Geduld mit uns zu haben. Wir bleiben dran!

    Viele Grüße von TheCompensators*

  7. Christian Alberth sagt:

    zunächst ist es schön, wenn Zertifikate gelöscht werden. Aber ist das Prinzip der ausreichend gefüllten Reserve nicht dennoch schlecht? Damit bliebe doch garantiert, dass die Zertifikate nie wirklich knapp werden. Um die Reserve anzugreifen, müssten in einem Jahr mehr Zertifikate verbraucht werden als versteigert. Und dann müsste sich über die Jahre erst die Reserve leeren, damit Knappheit entsteht. Wären damit der Industrie nicht bis z.B. 2030 ausreichend Zertifikate garantiert und damit der Handel bis dahin wirkungslos? Und: was heißt gelöscht? werden die überschüssigen Zertifikate aus dem Markt gekauft oder zwangsweise gelöscht? Was ist mit den Eigentumsrechten der Unternehmen?
    Christian

  8. Andreas Knoll sagt:

    Liebe Compensatoren,
    ich finde euren Ansatz genial. Gibt es schon etwas Neues? Falls nicht: habt ihr einen Hinweis für mich, auf welche Weise ich zwischenzeitlich meine Kompensation erledigen sollte?

    Gruß aus Salzburg – Andreas

  9. Thomas Voßen sagt:

    Hallo,

    mich würde auch interessieren, wie der aktuelle Stand der Dinge ist. Gibt es inzwischen wieder eine Möglichkeit, CO2 Kompensation zu betreiben?

  10. Katja sagt:

    Hei, ich kenne diese Idee bisher nur von Chooose, einer norwegischen Organisation. Die kaufen weiter und löschen. Warum geht das, aber ihr meint, dass es zur Zeit nicht funktioniert?

  11. Hendrik Schuldt sagt:

    CHOOSE betreibt klassisches Offsetting ähnlich wie atmosfair, myclimate etc. Das bedeutet, die Emissionen werden nicht innerhalb Europas reduziert, sondern durch Klimaschutz-Projekte in Ländern des globalen Südens. Dieser Mechanismus funktioniert nach wie vor, da er nicht im Rahmen des EU ETS reguliert ist, sondern unter der UNFCCC.

    Mit Ihrer Aussage, sie löschen Carbon Credits ist gemeint, dass sie nicht weiter an Firmen verkauft werden. Allerdings kann nun jede Firma ihre eigenen Klimaschutzprojekte finanzieren um Carbon Credits zu generieren und ihre Emissionen abzudecken. Eine Kompensation über CHOOSE verändert also nicht die Anreizstrukturen für Firmen Treibhausgase zu reduzieren oder durch Offsetting auszugleichen.

    Alleine durch die Emissionsreduktionen einiger Klimaprojekte in Ländern mit wenig ausgeprägten Industrien ist der Klimawandel allerdings nicht zu stoppen, bzw. dessen Auswirkungen nicht wesentlich zu mindern. Wir, als EU-Bürger, müssen insbesondere die heimischen Industrien zur “grünen Transformation” antreiben, denn genau diese sind es, die im Moment am meisten Treibhausgase ausstoßen. Genau das machen TheCompensators*. Wir bieten die Möglichkeit Emissionsreduktion innerhalb der EU zu betreiben indem wir den in Europa betriebenen Anlagen die Verschmutzungsrechte entziehen.

  12. Hallo TheCompensators,

    was bedeutet denn folgende Meldung für eure zukünftige Arbeit:
    https://www.bmu.de/pressemitteilung/kabinett-beschliesst-gesetzentwurf-zur-reform-des-emissionshandels/

    Ist das nun gut im Sinne eurer Arbeit? Wie geht es weiter?
    Beste Grüße!

  13. Oliver Wetter sagt:

    Ich frage mich ob es nicht ein Geschäftsmodell gibt, welches auch dem privaten Kleininvestor erlaubt, durch den Handel mit CO2 Zertifikaten eine Rendite zu erzielen. Natürlich unterliegt jede Investiton immer auch einem Risiko. Dennoch frage ich mich ob es nicht möglich ist, mit “Futures” auf steigende CO2 Zertifikatpreise zu wetten um davon, wenn es eintrifft, zu profitieren und damit gleichzeitig etwas für das Klima zu bewirken. Mache ich einen Denkfehler und das würde dem Klima nichts nützen? Ich bitte um Denkhilfe und Tipps für solche Anlagen.

  14. J. Fischer sagt:

    Hallo,
    Gibt es Neues in der Sache oder ist schon absehbar, wann wieder gespendet werden kann?

  15. Hendrik Schuldt sagt:

    Hallo J.Fischer,

    wir arbeiten mit Druck an einem neuen Konzept. Nach wie vor sind wir alle ehrenamtlich tätig und haben deshalb nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung. Bitte habt noch etwas Geduld mit uns! Wir hoffen, uns im Frühling 2019 mit einem neuen Konzept präsentieren zu können.

    Grüße von TheCompensators*

  16. Philippe sagt:

    Es würde wahrscheinlich nicht nur mich außerordentlich freuen, wenn eine direkte Reduzierung von CO2 weiterginge.

    Wäre es daher nicht sinnvoll, einen Newsletter oder sp einzurichten, wenn ihr, liebe Compensators euer neues Kontept päsentiert?

  17. Didi sagt:

    Euren Kommentar “Alleine durch die Emissionsreduktionen einiger Klimaprojekte in Ländern mit wenig ausgeprägten Industrien ist der Klimawandel allerdings nicht zu stoppen, bzw. dessen Auswirkungen nicht wesentlich zu mindern.” verstehe ich voll, Öfen für Lesotho sind sicher gut gemeint, aber da kommen nie im Leben relevante Mengen an eingespartem CO2 zustanden.

    Was ich überhaupt nicht verstehe, ist Eure Sorge, “dass jedes von TheCompensators* gelöschte Zertifikat möglicherweise als Überschuss in der MSR geparkt werden würde, und ab 2023 vielleicht gelöscht worden wäre (auf Rechnung der Mitgliedsstaaten der EU).”

    Vermutlich stehe ich auf dem Schlauch, aber sorgt denn nicht die MSR durch das Abschöpfen der Überschüsse (wie die von Euch gelöschten Zertifikate), dass die Wirkung sogar nachhaltiger ist, d. h. auch jenseits des Jahres der Löschung, was doch positiv ist?

  18. Hans Welte sagt:

    Frage: warum müssen die Zertifikate gelöscht werden? Reicht es nicht aus, sie ewig “einzulagern”? Dann müssten sie doch auch vom Markt verschwunden sein…

    Ich würde auch sehr gerne wieder an der Verknappung der CO2-Zertifikate teilnehmen!

  19. M. Griese sagt:

    Nochmal die Grundlagen:
    -Festlegung einer jährlichen Menge an Zertifikaten “Cap”, der 2021 ca. 1800 Mio. EUA umfasst und ab 2021 um jährlich 48 Mio. EUA sinkt
    -Die Zuteilung von Zertifikaten erfolgt zum einen kostenlos, zum anderen durch Auktionen. Ein Teil der Auktionsmenge (abhängig vom Marktüberschuss) wird nach definierten Bestimmungen in die Marktstabilitätsreserve MSR verschoben
    -Der Marktüberschuss ergibt sich aus allen ausgegeben Zertifikaten minus der genutzten (für Emissionen) und minus der gelöschten (ohne Emissionen) und minus der unzugänglichen Zertifikate in der MSR-
    -Wenn der Marktüberschuss (= Ergebnis für das Vorjahr) über einem Zielbereich (833 Mio. EUA) liegt, wird die AUKTIONsmenge um 24% des Marktüberschusses gekürzt und in den MSR überführt. Ist der Marktüberschuss unter 400 Mio. EUA, wird die AUKTIONSmenge um die ältesten 100 Mio. EUA aus der MSR aufgestockt. Zwischen 833 und 400 Mio. EUA wird nichts in oder aus der MSR genommen
    -Ab dem Jahr 2023 wird die Reserve auf ein Volumen begrenzt, das jeweils der Versteigerungsmenge des Vorjahres im EU-ETS entspricht. Die darüber hinaus gehende Menge in der Reserve wird gelöscht (wie in der zitierten Pressemitteilung erläutert: “Ab dem Jahr 2023 dürfen nur mehr so viele Zertifikate in der Reserve verbleiben, wie im Vorjahr versteigert wurden, der Rest – voraussichtlich mehr als 1,5 Milliarden Zertifikate – wird gelöscht.”).

    Meiner Ansicht nach gibt es drei Varianten wie sich TheCompensators verhalten könnten:
    1) Nichts tun. Keine Zertifikate kaufen und löschen,
    2) Wie bisher Zertifikate kaufen und löschen oder
    3) Zertifikate kaufen und erst in 2023 löschen.
    Für die Auktionsmenge gilt: sie wird anfangs (2019/2020) am stärksten durch die MSR vermindert. Mit der Überführung des Marktüberschusses in MSR sinkt der Einfluss der MSR auf die Auktionsmenge und diese steigt an. Ziel sollte sein, dass die Auktionsmenge 2022 möglichst gering ist, damit eine große Menge aus MSR gelöscht werden kann, da 2023 MSR-Mengen anhand der Vorjahresdaten gelöscht werden. Wegen der Dimension des Marktes (Millionen Tonnen CO2) kann ein einzelner Akteur dieses Ziel nicht erreichen. Daher wird die verbleibende Menge an EUA in der MSR in allen Varianten 1) bis 3) gleich groß sein.

    Mein Fazit: Durch das Löschen sinken die verfügbaren Zertifikate (=Marktüberschuss) bei 2) stärker als durch 1) nichts tun. Durch das Halten von Zertifikaten werden diese in den Marktüberschuss mit eingerechnet und beeinflussen den in die MSR gehenden Teil der Auktionsmenge. Jedoch werden die Zertifikate von euch ja nicht wieder an den Markt verkauft sondern später, nach 2023, gelöscht.
    Beim durchrechnen der Varianten in Excel sehe ich schon, dass der Marktüberschuss durch die Kompensation kleiner ist als bei nichts tun und durch das Halten von Zertifikaten werden mehr Zertifikate in die MSR geschoben und dann automatisch 2023 gelöscht. Der Marktüberschuss ist bei beiden Varianten 2) und 3) geringer als bei 1) nicht tun.

    Ich bin gespannt auf eure Strategieentscheidung.

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